Abgabebedingungen im Tierschutz – utopisch hoch oder sinnvoll?

Von Katrin

Abgabebedingungen, artgerecht, Freigang, Tierheim, Tierschutz, Wohnungshaltung

Wenn ich so durch Facebook surfe erlebe ich immer und immer wieder, dass gesagt wird:

In Tierheimen sind die Voraussetzungen zur Adoption so hoch, da bekommt man ja kein Tier!

Deshalb hab ich lieber bei Ebay geschaut, war ich beim Bauern bei uns im Dorf, hab ich von einer Bekannten usw. Usf.

Stimmt das? 

Ist es wirklich so, dass „der deutsche Tierschutz“ den es so pauschal ja gar nicht gibt, viel zu hohe Erwartungen hat, ist es vielleicht wirklich so, dass die ihre Katzen gar nicht vermitteln möchten, dass man die Auflagen ja gar nicht erfüllen kann?

Lass uns mal genauer hinschauen, lass uns schauen, was so die gängigen Kriterien sind

  • nur in Freigang
  • nur in Wohnungshaltung

Gar nicht so selten höre ich: die vermitteln nur in Freigang, deshalb bekomme ich keine Katze.

Die Tatsache dahinter: es gibt viele Katzen, die Freigang gewohnt sind und die in reiner Wohnungshaltung, auch mit abgesichertem Balkon oder Garten einfach nicht glücklich sind. Die auch in ihrer Zeit im Tierheim ihren Unmut deutlich zeigen.

Ein Tierheim hat doch bei diesen Tieren gar keine andere Wahl, als zu sagen: AUSSCHLIEßLICH in Freigang.

Und genauso gibt es umgekehrt Katzen, bei denen vieles gegen Freigang spricht, z.B. eine Erkrankung. Hier ist es die Verantwortung der Tierschutz-Einrichtung ganz klar zu sagen: Diese Katze wird ausschließlich in Wohnungshaltung vermittelt.

  • nur zu passendem Partner oder als Paar
  • ausschließlich in Einzelhaltung

Auch hier geht es nicht um Vorstellungen der Mitarbeiter, sondern um das individuelle Tier.

Wie könnte ein seriöser Verein ein gut sozialisiertes Tier in Einzelhaltung abgeben?

Das würde klar gegen das Wohl des Tieres gehen.

Genauso im umgekehrten Fall, wenn die Mitarbeiter feststellen, dass eine Katze sich mit anderen Katzen absolut nicht versteht, der Gesellschaft von Artgenossen nichts abgewinnen kann, dann gilt es, dies zu berücksichtigen.

Die sagen ich wäre zu lange außer Haus

Ja das stimmt, in vielen Tierheimen, bei vielen Tierschutzvereinen wird gefragt, wie lange die Katze(n)  durchschnittlich alleine sein werden.

Gerade bei Katzen in Einzelhaltung ist das eine absolut wichtige und legitime Frage, aber auch bei zwei oder mehr Katzen, sollte diese Frage nicht für Unmut sorgen.

Die Katzen sollten nicht täglich 10 oder gar noch mehr Stunden alleine sein!

Katzen sind Tiere mit Bedürfnissen und diese Bedürfnisse müssen wir Hüter erfüllen (können), das funktioniert aber nicht, wenn wir ständig weg sind!

Wir wurden gefragt, wie es finanziell bei uns aussieht, wie unverschämt sind die denn?

Unverschämt ist es nicht, insbesondere dann nicht, wenn man bedenkt, dass jede Menge Katzen dann im Tierheim landen, wenn sie aufgrund von Erkrankungen oder Unfällen massive Kosten verursachen!

Und selbst die gesündeste Katze kostet Geld, jeden Monat, fortlaufend!

Ich habe hier einen ganz klaren Standpunkt, ohne Wenn und Aber: 

DIE ARTGERECHTE  HALTUNG UND ERNÄHRUNG MUSS IMMER GESICHERT SEIN

TIERÄRZTLICHE BEHANDLUNGEN DÜRFEN NIE AN DEN KOSTEN SCHEITERN

Niemand würde sich ein Pferd kaufen und auf den Balkon stellen, weil kein Geld für einen Stall da ist! 

Auch eine Katze muss man sich leisten können!

Die sagen, ich soll hochwertiges Nassfutter geben, ist doch meine Sache.

Ich kann da ehrlich gesagt gar nicht viel dazu sagen, klar ist es letztendlich jedermanns eigene Entscheidung, aber sollte es nicht auch in jedermanns Interesse sein, seine Katzen so gesund und artgerecht wie möglich zu ernähren?

Oft weiß man bei der Adoption ja noch gar nicht was wirklich artgerecht ist -wir waren mit Muffin und Jack ja das beste Beispiel- wie toll ist es denn da, dass mir die Organisation, die die Tiere vermittelt erklärt, wie es gut für meine Katzen ist!

  • Nicht zu Kindern
  • Kinder sollten bereits älter sein

Es ist für Kinder wirklich toll, wenn sie mit Tieren aufwachsen dürfen! Das steht für mich komplett außer Frage! Aber genauso steht außer Frage, dass es einfach Katzen gibt, die, aus welchem Grund auch immer, Angst vor Kindern haben, oder einfach schnell gestresst sind.

Für diese Tiere wäre es schlimm zu Kindern vermittelt zu werden und die Kinder hätten mit Sicherheit auch keine schönen Erlebnisse, im Gegenteil könnte es zu schmerzhaften Begegnungen kommen. 

Ja es stimmt, immer mehr Tierschutz-Orgas legen klare Richtlinien fest und das ist nicht mehr als richtig! Es darf nicht darum gehen, dass man einfach nur möglichst viele Katzen vermittelt, es geht darum möglichst viele Katzen in ihr individuell passendes Zuhause zu vermitteln.

Es geht darum, möglichst wenige Katzen zu erleben, die nach kurzer Zeit wieder zurückkommen, weil es „einfach nicht passt“.

Es kann eigentlich nicht sein, dass dieses Vorgehen kritisiert wird!

Aber:

Noch viel weniger kann es sein, dass diese Vorgaben die Erklärung sind, warum man lieber schnell, unkompliziert und ohne große Fragen sein Tier irgendwo kauft!

In diesem Zusammenhang dürfen wir uns dann gerne auch fragen, wo wohl eine Vielzahl der Katzen hergeholt wurden, die am Ende im Tierheim landen…..

Katrin Knispel, Katzenpsychologin

Hallo mein Name ist Katrin. Ich mag: Katzen (das überrascht jetzt sicher,) lesen, Wellness, Musik, meinen Mann, Sushi, ehrliche Menschen, Freunde, Kaffee. Was ich nicht mag: Stillstand, Unehrlichkeit, Reis, Möhren (gekocht, roh sind sie super!) Schlangen, Fisch (erhitzt), Zeitdruck, Technik

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