Irrsinn Training

Von Katrin

Katzentraining, Katzenverhalten, Tiertraining

Die Katze, das nicht erziehbare Wesen


Noch vor 2 Jahren gab es eher wenige Trainer, die sich auf die Arbeit mit Hauskatzen spezialisiert haben. Galten diese doch als nicht erziehbar.

Dies hat sich zu meiner eigenen Freude geändert.
Als Hüter weiß ich aus meinem eigenen Alltag mit Katzen, wie positiv es für alle Beteiligten ist, gemeinsam mit den Katzen zu arbeiten.

Die Katzen erfahren positive Zuwendung.
Das vertieft die Bindung zwischen Hüter und Katze.
Die innere Haltung von uns Hütern ist deutlich positiv geprägt.
Wir sind stolz auf unsere Katzen.

Wir freuen uns über die gemeinsamen Trainingserfolge und die erreichten Ziele.
Die Kommunikation zwischen Mensch und Katze wird feiner, denn wir Hüter werden feinfühliger für die Sprache der Katze.

An dieser Stelle könnte der Bericht ja jetzt eigentlich enden, oder?
Leider nein!

Denn es wurde zunehmend zur Modeerscheinung, mit den Katzen zu trainieren. Es wurde ein ganz neuer Markt erkannt und erobert.

Mittlerweile schießen Trainings für Katzen wie Pilze aus dem Boden.

Da wird im Onlinekurs mal eben die ängstliche Katze zur Schmusekatze.
Das Toilettentraining verspricht dem Hüter, NIE WIEDER Katzenklos in der Wohnung haben zu müssen.

Kleine Kitten sollen ihre Umwelt kennen lernen, aber nicht nur einfach so. Nein, sie sollten doch bitte beim Hüter auf dem Arm sein, während der Mixer lärmt und und und...

Ich stehe hier wortwörtlich zwischen ALLEN Stühlen, denn das Thema hat ja weit mehr als eine Facette.

Training kann so sinnvoll sein.

Training kann das Leben der Katzen eindeutig verbessern.
Training kann ängstlichen Katzen zu mehr innerer Sicherheit verhelfen.
Training kann maßgeblich die Bindung verbessern.
Training kann Maßnahmen wie die Medikamentengabe unglaublich erleichtern.
Training lastet die Katzen aus.
Training macht den Katzen Spaß.
Training ist Zuwendung.
Training ist Interaktion.
Training verbessert die Kommunikation zwischen Mensch und Katze.
Hüter, die sich für Trainings interessieren, möchten aktiv sein.
Hüter bekommen ein tieferes Verständnis für die eigenen Tiere.

Ich selbst biete Onlinekurse an, bin also Teil dieses Marktes.
Ein Kurs beinhaltet das Training für Silvester, ein anderer beschäftigt sich mit dem Spielverhalten…

Warum lehne ich also einige Auswüchse so kategorisch ab?

Es ist das, was suggeriert und versprochen wird. Die Tatsache, dass es um menschliche Vorteile geht oder einfach, dass zu großer Ehrgeiz ein so großes Trainingsziel vor Augen hat. Das der einfache und höfliche Umgang auf der Strecke bleibt.

Das Training mit dem Ziel, dass die Katze das Menschenklo aufsucht

Der Zweck ist, dass kein Katzenklo mehr benutzt wird. Für wen hat dies einen Vorteil? Für den Hüter, nicht für die Katze! Es ist nicht artgerecht und entspricht nicht dem natürlichen Verhalten von Katzen.

Wir Hüter übernehmen Verantwortung für ein Lebewesen und dazu gehört auch, dass wir verschiede Aufgaben erledigen, die uns weniger gut gefallen und stets Respekt vor natürlichem Verhalten und Bedürfnissen haben!

Es ist sehr sinnvoll, den Katzen langsam und auf sanftem Wege, die typischen Haushaltshelfer näherzubringen. Es bereichert das Leben unserer Katzen, wenn sie wissen, dass Staubsauger, Küchenmaschine oder Bohrmaschine keine Geräte aus der Hölle sind, vor denen man panisch flüchten muss!

Aber, aus meiner ganz persönliches Sicht, hat die Katze keinen vermehrten Zugewinn, wenn sie neben dem Mixer sitzt oder auf dem Arm ist, während er rotiert!

Es ist völlig ausreichend, dass sie weiß, dass die Sachen keine Gefahr sind und wissen: ok… wenn mein Hüter sie nutzt wird es laut und ich kann mich darauf verlassen, dass ich in Ruhe den Raum verlassen kann, wenn es mir zu laut oder unangenehm ist!

Ich kann aber auch genauso gut im selben Raum bleiben, wenn es mich nicht stört!

Katzen sind unterschiedlich empfindlich was Geräusche betrifft und für mich ist das Respektieren dieser Individualität das, was echte Lebensqualität und höflicher Umgang auf Augenhöhe ausmacht!

Kann aus einer Angstkatze in einem Onlinekurs eine Schmusekatze werden?

Ok… was hab ich jetzt da schon wieder auszusetzen?
Hab ich nicht erst vor kurzem in meinem Podcast darüber gesprochen, wie aus Muffin der Angstkatze, Muffin die Schmusefluse wurde?
JA habe ich!
Warum also meine Ablehnung?

Ein Versprechen wie dieses, suggeriert, dass jede Katze am Ende des Kurses eine Schmusekatze ist. Es spricht Menschen an, die exakt diese Erwartungshaltung an ihr Tier haben. Es schürt die Erwartung und der Mensch hat ein Ziel: seine Katze so „hinzubekommen“ wie er das möchte, sie zu der Katze zu machen, die er haben will…

Wo genau bleibt da die Katze?
Welches Versprechen gibt solch ein Kurs der Katze?

Sich mit der ängstlichen, zurückgezogenen Katze beschäftigen, in Interaktion sein, ist ein großartiger Ansatz. Die Idee, durch Training das Vertrauen des Tieres in uns zu stärken ist eine wunderbare Idee.

Und genau da MUSS es auch aufhören! Denn alles andere, alles darüber hinaus, liegt nicht in unseren Händen! Wir dürfen keine Erwartungen an das Training knüpfen, dass die Katzen dann nachher so und so reagiert, dass sie mit uns kuschelt, Körperkontakt schätzt oder fordert.

Denn das ist eine Charaktersache! Und wir dürfen uns im Training gemeinsam auf die Reise begeben und erkennen, welchen Charakter unsere Katze hat, was sie mag, was sie schätzt, womit wir ihr eine Freude machen können… und das kann nun mal sein in 2 Metern Abstand zueinander da zu sitzen und sich anzublinzeln.

Der Fokus muss auf der Katze liegen!

Wenn wir mit unseren Katzen arbeiten möchten, muss unsere Frage immer sein: Welchen Mehrwert hat es für meine Katze? Wie bereichert das Training das Leben meiner Katze? Welche Ziele machen aus Katzensicht Sinn?

Stellen wir uns diese Frage und wählen Angebote danach aus, dann sind wir bei einem wirklich sinnvollen und für die Katzen wertvollen Training!
Katrin Knispel, Katzenpsychologin

Hallo mein Name ist Katrin. Ich mag: Katzen (das überrascht jetzt sicher,) lesen, Wellness, Musik, meinen Mann, Sushi, ehrliche Menschen, Freunde, Kaffee. Was ich nicht mag: Stillstand, Unehrlichkeit, Reis, Möhren (gekocht, roh sind sie super!) Schlangen, Fisch (erhitzt), Zeitdruck, Technik

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